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Nervenstark!

Kenne, was dich schwach macht. Konzentriere dich auf das, was dich stark macht!

Weg von der "psychischen Störung" - hin zur Wertschätzung besonderer Gaben!

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Konfrontationstherapie - der goldene Standard?

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Die Konfrontationstherapie gilt ja as der goldene Standard bei Angst- und Zwangsstörungen. Meine Erfahrungen mit ihr sind jedoch zwiespältig. Werden Expositionsübungen richtig durchgeführt (wenn man also in die Anspannung hineingeht - vielleicht sogar bis zum "flooding"), kann man so den betroffenen Hirnarealen offenbar durchaus beibringen, dass die übertriebene Alarmreaktion unnötig war, sodass in ähnlichen Situationen die Anspannung heruntergefahren wird. Das Hirn schüttet Schritt für Schritt weniger Stresshormone aus. Es scheint auch Hinweise dafür zu geben, dass dies nicht nur symptomatisch wirkt, sondern ursächlich etwas bewirkt.

So die Theorie. Die will ich auch keineswegs bestreiten. Diese Form der Theorie ist meiner Erfahrung nach durchaus nützlich, hilfreich und sinnvoll.

Wo meine Kritik - basierend auf meinen eigenen Erfahrungen und Erlebniswelten - anfängt, ist die Pauschalisierung dieser Therapieform. Was mich selbst betrifft (diverse Angststörungen, Zwangsstörungen, Depressionen, Traumatisierungen etc. - das ganze Paket also), so war sie nur bedingt hilfreich, teilweise schien die Wirkung gar ins Gegenteil umzuschlagen.

Ich habe selbst inwzischen über die Jahre viele psychologische Aus- und Fortbildungen gemacht, um auch die "andere Seite" kennen zu lernen. Ich bin aber kein Therapeut und will auch keiner werden.

Die Konfrontationstherapie für alle gleich anzuwenden, halte ich nicht für sinnvoll. Ich rate hier niemandem etwas, sondern bitte jede und jeden, hierzu mit einem Fachmenschen (etwa Psychotherapeut oder Psychiaterin) Kontakt aufzunehmen.

Aus meinen eigenen Erfahrungen also:

Meine Eltern haben den zweiten Weltkrieg miterlebt. Zusätzlich war meine Mutter während der Schwangerschaft extremen Stress ausgesetzt. Dieser setzte sich meine ersten Lebensjahre hindurch fort. Mit vier Jahren starb ich fast an Meningitis. Meine Kindheit und Jugend war im eigenen Erleben teils extrem belastend. Mittlerweile gelte ich als schwerbindert. Gleichwohl habe ich es geschafft, über die Jahrzehnte hinweg zu arbeiten und Ausbildungen zu machen.

Auch bei mir wurde die Konfrontationstherapie angewandt, inklusive diverser Expositionen und floodings. Der Erfolg scheint schnell und kurzfristig. Scheint. Ich habe jahrelang weiterhin selbst diese Expositionen durchgeführt. Dies hat mich manchmal in beinahe traumatisierende Erfahrungen gebracht.

Warum?

Meine Theorie hierzu (basierend auf dem, was ich bisher lernen durfte sowie auf meinen eigenen Erfahrungen): Es gibt mittlerweile etliche Untersuchungen über die Auswirkungen von extremen Stress, den die Mutter erlebt, auf die Kinder sowie von derartigem Stress in den ersten Lebensjahren. Möglicherweise wird hierdurch die Hirnstruktur dauerhaft verändert - bis hin zu epigenetischen Auswirkungen (die darüber entscheiden, ob und in welcher Form Gene aktiviert oder möglicherweise sogar neu gebildet werden).

Durchlebt eine Mutter extremen Stress und erlebt das Kleinkind zusätzlich außerordentliche Belastungen, so kann es sein, dass die Psyche und der Körper bzw. das vegetative Nervensystem im Dauer-Alarmzustand sind, der sich auch nicht so einfach abstellen lässt. Epigenetische Veränderungen haben vielleicht dazu geführt, dass dem Kind mitgegeben wurde, dass das Leben gefährlich ist, es also ständig wachsam sein muss.

Dies wird sich dann wahrscheinlich bis ins Erwachsenenalter fortsetzen.

Wendet man bei einem solchen Klienten pauschal die Konfrontationstherapie an und führt sie bzw. ihn bis ins Extrem ("flooding"), so kann es meiner Erfahrung nach passieren, dass das Ganze ins Gegenteil umschlägt. Das Hirn lernt dann nicht, dass es künftig einen Gang herunter schalten kann, da die Situation offensichtlich doch nicht lebensgefährlich war, sondern es merkt, dass die bestehende Erregung und der schon existierende Alarmzustand offenbar nicht genug waren. Anstatt die jahrzehntelange Überflutung mit Stresshormonen abzubauen, werden durch die zusätzliche Belastung noch mehr ausgeschüttet und vielleicht sogar Körper und Psyche dauerhaft geschädigt.

Hinzu kommen hier noch die Fälle, bei denen eine ganz andere Ursache vorliegt, bei denen die Psyche also nicht einfach nur lernen muss, mit Stress umzugehen und diesen auszuhalten, sondern tieferliegende Ursachen verantwortlich für das Leid sind. Hier mit Konfrontationen zu arbeiten, würde bedeuten, kurzfristig einen Deckel auf den Topf mit kochendem Wasser zu halten. Dies führt jedoch mittelfristig zwangsweise zu einer umso stärkeren Explosion bzw. zu noch größerem Leid.

Meine Empfehlung in solchen Situationen:

1) Unbedingt klären, ob tiefere Ursachen vorhanden sind. Dann auf die klassische Tiefenpsychologie oder ähnliches ausweichen.

2) Bei vorhandenen kindlichen Traumata oder vergleichbaren Fällen: Hier darf die Konfrontation bzw. Exposition nicht dadurch bestehen, dass man die Erregung künstlich steigert, sondern dass man ganz langsam und schrittweise der Klientin beibringt, solche Situation ruhig und gelassen zu bestehen. Hier darf die Erregung nicht noch weiter gesteigert werden, sondern ist unbedingt dauerhaft zu senken. Sprich: Der Klient ist erstmal für längere Zeit in eine ruhige Umgebung zu bringen. Von dort kann man dann beginnen, schrittweise aufzubauen, was vielleicht noch nie da war.

 

Dies ist wie gesagt kein medizinisch-therapeutischer Rat, sondern nur eine Darstellung meiner eigenen Erfahrungen. Für eine Therapie bzw. Behandlung bitte unbedingt zum Fachmenschen gehen!

Konfrontationstherapie - ein Allheilmittel?

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Seit Jahrzehnten wird die Konfrontationstherapie (auch "Exposition" oder bei der extremen Version "Flooding" genannt) als Allheilmittel gegen Ängste und Zwänge angewendet und empfohlen. Ihre Wirksamkeit wird mit Studien belegt. Kritik wird mit der pauschalen Unterstellung vom Tisch gewischt, der Therapeut hätte sie nicht richtig angewendet.

 

Also alles gut - oder nicht?

 

Ich kenne beide Seiten der Medaille. Seit Jahrzehnten habe ich Angst- und später auch (teils extreme) Zwangsstörungen. Diese wurden unter anderem in einer Tagklinik behandelt. Vor einigen Jahren bin ich auf die "andere" Seite gewechselt und habe viele praktische und theoretische Aus- und Fortbildungen im Bereich Psychologie, Psychiatrie und Neurologie gemacht. Dennoch will ich hier nur meine persönlichen Erfahrungen teilen.

 

Wirkt diese Therapieform nun oder nicht?

 

Kommt darauf an, was man unter "wirkt" versteht. Ja, es kommt in

vielen Fällen zu einer teils drastischen Symptomreduktion. Auch bei mir haben sich die Zwänge in wenigen Wochen zurück entwickelt.

Dennoch muss hier radikal umgedacht werden. Was sich hier reduziert, sind - in der Regel - die Symptome. Bei den Ursachen sieht es ganz anders aus. Ja, teils wirken die Symptomreduktionen auch auf die Ursachen zurück. Können sie das Ganze aber auch nich schlimmer machen?

 

Diesen Eindruck habe ich allerdings.

 

Ängste und Zwänge können unterschiedlichste Ursachen haben. Von genetischen oder epigenetischen Faktoren über Traumata, psychischer Überlastung, körperlichen Faktoren, Drogenmissbrauch oder nicht bewältigter innerer Konflikte (und wohl noch einiges mehr). Vieles davon traf bei mir zu. Ich kann nun behaupten, viele Therapieformen (inklusive pharmakologischer Unterstützung - also Medikamente) selbst erlebt haben zu dürfen. Gerade bei den Zwängen wirkt es sehr befreiend, wenn diese weniger werden.

Aber - und das gilt in meinem Fall sowohl für die Ängste wie für die Zwänge - ich hatte und habe teilweise das Gefühl, dass diese Expositionen zumindest langfristig das Ganze eher noch verschlimmerten. Warum? Wenn der Kochtopf überläuft, kann man erstmal mit Gewalt den Deckel drauf drücken. Dann bleibt die Suppe zunächst drin - und die Familie ist froh. Unter der Oberfläche aber brodelt es weiter...

 

So bei mir. Für mich bedeutete diese Symptomreduktion zwar erstmal eine Erleichterung (einzelne Expositionen hatten allerdings teils auch traumatische Konsequenzen, die mich weit zurückgeworfen haben), darunter aber brodelte und brodelt es weiter. Das verzögert wirkliche Heilung und bedeutete - zumindest für mich - ständige Qualen. An den Ursachen hat sich offenbar gar nichts geändert und die alleinige Reduktion der Symptome, die ja eine psychische Funktion hat und den Ursachen Ausdruck verleiht, ließ die Ursachen schutzlos ans Tageslicht treten.

 

Ich war und bin zutiefst unzufrieden mit dem gegenwärtigen Habitus, die kognitive Verhaltenstherapie bzw. die Konfrontation/Exposition mit angstbesetzten Reizen als Allheilmittel zu sehen und sich bestätigt zu fühlen, wenn die Symptome erstmal zurück gehen.

 

Wie ich das Ganze für mich gelöst habe? Zunächst einmal habe ich mich für viel Geld selbst aus- und fortbilden lassen. Ich war unzufrieden und neugierig, was für mich ein guter Motivator war.

Heute weiß ich weitaus besser, wie sich das alles bei mir eintwickelt hat, wo ich eingreifen kann und sollte und wo nicht.

 

Vor allem aber bin ich weg gekommen von dieser unseligen Klassifizierung nach ICD-10, die auch die Grundlage für die Abrechnungen mit den Kassen liefert.

 

Ein Beispiel: Wenn du eine Blinddarmentzündung hast und allein im Wald stehst, hast du immer noch eine Blinddarmentzündung, die schnell zum Tod führen kann. Wenn du eine psychische Störung nach ICD-10 hast und alleine im Wald stehst, bist du dann immer noch "krank"?

 

Die Kriterien, die zur Definition von psychischer Störung herangezogen werden, stehen meiner Meinung nach auf sehr wackligen Beinen.

 

Nein, ich sage nicht, alle sollen nun aufhören, vewrordnete Tabletten zu nehmen und nicht mehr zum Arzt oder Therapeuten gehen. All das hat durchaus seinen Nutzen.

 

Was ich sage, dass hier ein grundsätzliches Umdenken erforderlich ist, das ich jedoch noch nicht mal ansatzweise erkennen kann.

Ein weiteres Beispiel: Ohne das, was heute oftmals als "psychische Störung" definiert wird, wäre vieles in der menschlichen Entwicklung so vielleicht nicht oder erst viel später möglich gewesen. Eventuell wäre sogar die Evolution an sich anders verlaufen. Es sind diese "speziellen" (ich sage nicht "besseren"!) Menschen, die auf Ideen und Problemlösungen kommen, die andere nicht einmal vermuten würden. Menschen mit einem ungewöhnlichen Potential.

 

Ich sehe mich nicht als "krank" oder "gestört". Ich arbeite, leiste meinen Beitrag zur Gesellschaft - und vor allem lebe ich. Ohne Stempel, ohne Schublade.

 

Ganz einfach ich.

 

Robert Gollwitzer

www.robert-gollwitzer.com

 

(Weiterveröffentlichung als Ganzen nur mit Angabe des Autors und des Links gestattet)

Allheilmittel Konfrontationstherapie?

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Die Konfrontationstherapie wird ja schon fast als Allheilmittel bei Angst- und Zwangsstörungen gepriesen. Zweifellos ist sie in deren Therapie ein sehr hilfreiches und wirksames Werkzeug.

 

Aus meiner eigenen Erfahrung (ich habe seit vielen Jahren beides) kann ich folgendes dazu sagen:

 

- Sie ist EIN Werkzeug, keinesfalls aber ein Allheilmittel, das immer und überall eingesetzt werden kann und soll.

- Es wird manchmal behauptet, sie "programmiere" das Gehirn neu, sodass es lernt, bei bestimmten Situationen nicht mehr Stresshormone auszuschütten. Dem kann ich nur begrenzt beipflichten. Ja, dieser Effekt trat des öfteren ein. Keineswegs aber immer. Selbst wenn ich bis zum "bitteren Ende" durchgehalten habe, war das Resultat nicht automatisch immer, dass es das nächste Mal viel leichter ging. Manchmal trat das Gegenteil ein: Eine beinahe traumatische Erfahrung, die mich nicht etwa einen Schritt vorwärts, sondern 50 zurück warf.

- Selbst wenn der gewünschte Effekt eintrat, hatte ich kurz- mittel- und langfristig regelmäßig den Eindruck, dass hier keineswegs die Ursache, sondern lediglich die Symptome bekämpft wurden. Faktoren, die möglicherweise zur Entstehung der Störungen beigetragen haben, sind - wenn überhaupt - nur sehr eingeschränkt angegangen worden: Schädliche Glaubenssätze und/oder Bewertungen, Traumata, neurologische Veränderungen, Missbrauch, Gene, Krankheit, Unfall etc.

- Eine Trainerin in einem Fitness-Center hat mir mal gesagt: "Aus einem Rehpinscher kann man eben keine Bulldogge machen" (ähem...). Übertragen auf Angst- und Zwangsstörungen (und möglicherweise auch weitere Erkrankungen) bedeutet das, dass eine Besserung nur bis zu einem bestimmten Punkt möglich ist. Den Patienten darüber hinaus bewegen zu wollen, hat meiner Erfahrung nach keinen positiven, sondern einen sehr negativen Effekt, der den gesamten bisherigen Erfolg in einem Augenblick null und nichtig machen kann.

- Oft genug hatte ich den Eindruck, die Wissenschaft ist bei der Behandlung dieser Störungen mittels Psychotherapie und Medikamenten noch in den Kinderschuhen. Offenbar hat man kaum eine Vorstellung davon, was sich im Gehirn des Patienten dabei abspielt, was Symptom und was Ursache ist sowie warum ein Werkzeug oder Medikament wirkt und warum nicht. Da wird standardmäßig dieselbe Phrase bei jeglicher Erkrankung heruntergeleiert (genetische Veranlagung in Verbindung mit Umweltfaktoren), die in ihrer allgemeinen Darstellung weder dem Klienten noch dem Therapeuten hilft.

- Der Patient ist Experte seiner/ihrer Erkrankung. Vielleicht wäre es besser, ihm/ihr zuzuhören, als automatisch nach Lehrbuch vorzugehen? Eine Größe passt eben nicht für alles.

 

15.12.2019

Robert Gollwitzer

www.nervenstark.org