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Sozialpsychologie

Die Sozialpsychologie befasst sich mit menschlichem Verhalten und Erleben im sozialen Kontext, sie ist ein Teilgebiet der Psychologie.

Eine weit verbreitete Definition stammt vom US-amerikanischen Sozialpsychologen Gordon W. Allport, der 1954 formulierte:[1]

„Sozialpsychologie ist der wissenschaftliche Versuch zu erklären, wie die Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen von Individuen beeinflusst werden durch die tatsächliche, vorgestellte oder implizite Anwesenheit anderer Menschen.“

Grundsätzlich kann in der Sozialpsychologie auf Ebene der intrapsychischen Prozesse, wie auch auf Ebene der sozialen Interaktion analysiert werden. Weitere Analyseebenen sind darüber hinaus die intra- und intergruppale Interaktion.[2]

Zwei fundamentale Axiome der Sozialpsychologie lauten:[3]

Menschen konstruieren ihre eigene Realität.

Das gesamte Erleben und Verhalten wird von sozialen Beziehungen beeinflusst.


Geschichte der Sozialpsychologie


Den Beginn des Fachgebiets Sozialpsychologie terminieren Jonas, Stroebe und Hewstone auf 1898, als die mutmaßlich ersten sozialpsychologischen Experimente durch Norman Triplett durchgeführt wurden. Triplett konnte zeigen, dass Radrennfahrer bessere Leistungen erbringen, wenn sie gegen Wettbewerber oder einen Schrittmacher antreten. (Denkbar wäre allerdings, dass die Radfahrer eine persönliche Präferenz für Rennsituationen haben, und sich möglicherweise auf Renn-Situationen beschränkten, in denen sie besonders gut sind. Diese quasiexperimentellen Befunde validierte Triplett durch ein Folgeexperiment, in dem Schulkinder das Aufrollen einer Angelschnur alleine oder im Wettkampf ausführten; heute werden diese Experimente als Belege für den Effekt der sozialen Erleichterung genannt.)

Das Jahr 1908, in dem die ersten beiden Lehrbücher der Sozialpsychologie veröffentlicht wurden, halten Jonas et al. für eine suboptimale Annahme zum Beginn der Sozialpsychologie – der Soziologe Edward Alsworth Ross publizierte Social psychology, an outline and source book durch die New Yorker Macmillan Company; der Psychologe William McDougall schrieb An Introduction to Social Psychology, welche ursprünglich bei Methuen & Co. in London veröffentlicht wurde. Beide Texte enthielten wenig Inhalte, die nach heutigen Maßstäben der Sozialpsychologie zugeordnet werden könnten.[4]


Entwicklungspfade der Sozialpsychologie


Es lassen sich zwei verschiedene Entwicklungsstränge in der Sozialpsychologie ausmachen:

die soziologische Sozialpsychologie, die v. a. in Europa als Teilgebiet der Soziologie entwickelt wurde und

die psychologische Sozialpsychologie, die in den USA entwickelt wurde und sich inzwischen auch in Europa etabliert hat.

Der Unterschied zwischen den beiden Ansätzen besteht darin, dass sich die soziologische Sozialpsychologie stärker auf Gruppenprozesse ausrichtet, während sich die psychologische Sozialpsychologie stärker auf das Individuum fokussiert.

Die soziologische Sozialpsychologie wird häufig theorielastig betrieben und konstituiert sich als Geistes- und Sozialwissenschaft. Entsprechende Ansätze sind z. B. die Kritische Theorie, welche auch psychoanalytische Ideen beinhaltet. Zu den sozialpsychologisch arbeitenden Psychoanalytikern zählen Sigmund Freud, Wilhelm Reich und Erich Fromm. Innerhalb der Frankfurter Schule sind insbesondere Theodor W. Adorno (Studien zum autoritären Charakter) und Herbert Marcuse (Triebstruktur und Gesellschaft) zu nennen. An die Psychoanalyse Lacan'scher Prägung schließen die Arbeiten von Slavoj Žižek und anderen an.

Die psychologische Sozialpsychologie erforscht im weitesten Sinne die Auswirkungen sozialer Interaktionen auf Gedanken, Gefühle und Verhalten des Individuums (“an attempt to understand and explain how the thought, feeling and behavior of individuals are influenced by the actual, imagined, or implied presence of others”, Allport 1968). Quantitative Untersuchungsformen, vor allem das Experiment konstatieren ihr Selbstverständnis als Naturwissenschaft. Als Gründer der modernen Sozialpsychologie gilt Kurt Lewin.[5]

Die Grenze beider Perspektiven verschwimmt jedoch durch die Anwendung quantitativer und qualitativer Verfahren in beiden Disziplinen zusehends. Neuere interdisziplinäre Bestrebung, Sozial- und Naturwissenschaften in den sogenannten Humanwissenschaften zusammen zu führen, bestärken diese Tendenz.

Im Februar 2017 wurde mit der Emeritierung des psychoanalytischen Sozialpsychologen Rolf Pohl die Möglichkeit beendet, das Fach Sozialpsychologie an der Universität Hannover zu studieren.[6]


Forschungsbereiche


Die Forschungsgegenstände in der Sozialpsychologie sind vielfältig.

Einer davon ist die soziale Wahrnehmung, also der Prozess, bei dem Informationen über die individuellen Merkmale einer Person aufgenommen, gesammelt und interpretiert werden. Zur sozialen Wahrnehmung gehören zudem die Attributionstheorien (die sich mit Erklärungen für unser eigenes Verhalten und das Verhalten anderer Menschen beschäftigen), die Theorie der korrespondierenden Schlussfolgerungen (die annimmt, dass Betrachter aus einem beobachteten Verhalten auf entsprechende Absichten schließen) und die Kovariationstheorie (die eine Erklärung dafür liefert, wie Menschen unterschiedliche Ursachen einer beobachteten Handlung einschätzen und beurteilen).

Ein weiteres zentrales Thema innerhalb der Sozialpsychologie ist die soziale Kognition. Diese versucht zu verstehen, wie wir über uns selbst und über andere Menschen denken und wie die hierbei beteiligten Prozesse unser Verhalten und unser Urteil in sozialen Situationen beeinflussen. Bedeutsam in der Forschung der sozialen Kognition ist die Unterscheidung zwischen automatischen und kontrollierten (Denk-)Prozessen. Ein automatischer Prozess ist ein Prozess, der ohne Absicht und unbewusst auftritt, welcher gleichzeitig ablaufende kognitive Prozesse nicht stört. Ein kontrollierter Prozess dagegen ist ein absichtlich herbeigeführter Prozess, welcher sehr aufwändig ist und bewusst abläuft. Auch sogenannte Stereotypen, also kognitive Strukturen, die unser Wissen und unsere Erwartungen gegenüber anderen sozialen Menschengruppen enthalten, spielen eine wichtige Rolle in der Forschung der sozialen Kognition.

Die Sozialpsychologie beschäftigt sich unter anderem auch mit Konstruktionen und Interpretationen des Selbst, also mit den Ansichten und dem Wissen einer Person über sich selbst. Die Sozialpsychologie interessiert sich hier besonders dafür, woher die Selbstkenntnis stammt und worin deren gesellschaftliche Ursprünge liegen. Begriffe wie das Selbstkonzept, Selbstschemata (mentale Strukturen, die uns helfen Verarbeitungen selbstbezogener Informationen zu organisieren und anzuleiten) und das Selbstwertgefühl sind zentrale Begriffe in der Forschung des Selbst.

Auch das Thema Einstellungen ist ein zentraler Bereich der Sozialpsychologie. Unter dem Begriff Einstellung versteht man die Bewertung von Menschen, Gruppen und Sachverhalten in unserer sozialen Umwelt. Einstellungen haben großen Einfluss darauf, wie ein Individuum sich verhält und wie es die Welt wahrnimmt. Als eines der wichtigsten Modelle zum Einstellungsbegriff zählt das Multikomponentenmodell der Einstellung. Dieses besagt, dass Einstellungen zusammenfassende Bewertungen eines Objektes sind, die auf kognitiven, affektiven und verhaltensbezogenen Grundlagen beruhen. Einstellungsforscher beschäftigen sich außerdem damit, wann und wie Einstellungen unser Verhalten vorhersagen, also mit der Beziehung zwischen Einstellung und Verhalten. Ebenfalls von zentraler Bedeutung in der Sozialpsychologie sind Strategien zur Einstellungs- und Verhaltensänderung und der soziale Einfluss, bei dem Menschen durch Anwesenheit Anderer beeinflusst werden, ohne gezielten Versuch, diese zu beeinflussen.

Ein weiterer Gegenstandsbereich der Sozialpsychologie sind soziale Aspekte der Emotionen und Stimmungen als Entscheidungsgrundlagen.

Die Sozialpsychologie beschäftigt sich ebenfalls damit, warum Menschen Gruppen bilden, welche sozialen Rollen sie dabei einnehmen (welche Erwartungen an eine Person mit einer bestimmten Position in der Gruppe gestellt werden), was für verschiedene Arten von Gruppen es gibt (aufgabenbezogene Gruppe, Gruppe mit emotionaler Nähe usw.) und deren Einfluss auf das Individuum.

Auch Vorurteile und Intergruppenbeziehungen spielen in der Sozialpsychologie eine große Rolle. Ein Sozialpsychologe versucht also eine Erklärung für die Entstehung von negativen Einstellungen gegenüber einer Fremdgruppe zu liefern und deren Auswirkungen auf das Verhalten eines Individuums zu erforschen.

Weitere wichtige Gegenstandsbereiche der Sozialpsychologie sind unter anderem:


interpersonale Attraktivität, prosoziales Verhalten, Aggression,

Kommunikation, Nonverbale Kommunikation,

Wertvorstellungen und Normen,

Rechtsgefühl,

Soziales Lernen und Sozialisation,

Konsistenztheorien.


Angrenzende Fachgebiete und Disziplinen


Es gibt verschiedene Aspekte der Sozialpsychologie, die interdisziplinär betrachtet werden. Insbesondere mit der Soziologie besteht wechselseitige Beeinflussung und Inspiration, so wurden etwa sozialpsychologische Forschungen zu Rollen und Einstellungen soziologisch angestoßen. Während die Soziologie jedoch eine makrosoziale Ebene betrachtet – die gesellschaftliche Ebene, also Gruppen, Organisationen und Gesellschaften,[7] untersucht die Sozialpsychologie auf mikrosozialem Level – also mit Blick auf Prozesse oder Phänomene im Individuum[1] und die allen Menschen gemeinsamen psychischen Prozesse.[7]

Die Persönlichkeitspsychologie hingegen untersucht die individuell charakteristischen Merkmale.[7]


Bekannte Sozialpsychologen


Theodor W. Adorno (Vorurteilsforschung)

Gordon Allport (Vorurteilsforschung)

Elliot Aronson (Kognitive Dissonanz, Selbstrechtfertigung, Vorurteilsforschung)

Solomon Asch (Konformitätsexperiment von Asch)

Albert Bandura (Sozialkognitive Lerntheorie)

Roy F. Baumeister

Junius F. Brown (Feldtheorie)

Peter Brückner (u. a. Existenzialontologie & Kritischen Theorie)

Leon Festinger (Theorie sozialer Vergleichsprozesse; Theorie der Kognitiven Dissonanz)

Dieter Frey

David Dunning

Erich Fromm (Humanistisch-Marxistisch-Analytische Sozialpsychologie)

Daniel Gilbert (Wahrnehmungstäuschungen)

Fritz Heider (Attributionstheorie, Balancetheorie)

Carl I. Hovland (Persuasion)

Martin Irle

James S. Jackson (Afro-American and African studies)

Hans Kilian (Dialektische Sozialpsychologie)

Kurt Lewin (Feldtheorie, Gruppendynamik)

Alfred Lorenzer

William McDougall („Moralisation“: Sozialisation)

George Herbert Mead

Stanley Milgram (Gehorsam, Milgram-Experiment)

Serge Moscovici (Minoritäteneinfluss)

Boris Parygin

Norbert Schwarz (Soziale Kognition, Umfrageforschung)

Muzafer Sherif (Gruppendynamik)

Fritz Strack (Soziale Kognition)

Henri Tajfel (Theorie der sozialen Identität)

Wilhelm Wundt („Völkerpsychologie“)

Robert Zajonc (Mere-Exposure-Effekt, Konfluenzmodell)

Philip Zimbardo (Stanford-Prison-Experiment)


Literatur


E. Aronson, T. D. Wilson, R. M. Akert: Sozialpsychologie. 8. Auflage. Pearson Studium, 2014, ISBN 978-3-86894-217-0.

H. Bless, K. Fiedler, F. Strack: Social cognition. How individuals construct social reality. Psychology Press, Hove, UK 2004, ISBN 0-86377-828-3.

K. Jonas, W. Stroebe, M. Hewstone (Hrsg.): Sozialpsychologie. Einführung. 6., vollständig überarbeitete Auflage. Springer Heidelberg 2014, ISBN 978-3-642-41090-1.

Boris Parygin: Grundlagen der sozialpsychologischen Theorie. Pahl-Rugenstein, Köln 1982, ISBN 3-7609-0186-7.

Manfred Sader: Psychologie der Gruppe. Juventa, München 1996, ISBN 3-7799-0315-6.

A. Tesser, N. Schwarz (Hrsg.): Blackwell handbook of social psychology. Intraindividual processes. Blackwell Publishers, London 2001, ISBN 0-631-21034-2.

Fachzeitschriften im Bereich Sozialpsychologie

Journal of Personality and Social Psychology

Journal of Experimental Social Psychology

European Journal of Social Psychology

Zeitschrift für Sozialpsychologie

Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie

Weiterführende Literatur

Ann E. Auhagen, Hans-Werner Bierhoff (Hrsg.): Angewandte Sozialpsychologie. Das Praxishandbuch. Beltz, Weinheim/ Basel/ Berlin 2003, ISBN 3-621-27522-3.


Einzelnachweise


1) Schmitt, Manfred; Gollwitzer, Mario: Sozialpsychologie kompakt, Beltz Verlagsgruppe 2019. ISBN 3-407-96090-5.

2) T. Kessler, I. Fritsche: Sozialpsychologie. Springer. ISBN 978-3-531-17126-5. https://doi.org/10.1007/978-3-531-93436-5. Seite 6.

3) E. R. Smith, D. M. Mackie: Social Psychology. 2. Auflage. Psychology Press, 2000, ISBN 0-86377-587-X, S. 14–16.

4) Klaus Jonas, Wolfgang Stroebe, Miles Hewstone: Sozialpsychologie, Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2014. doi:10.1007/978-3-642-41091-8; ISBN 978-3-642-41090-1.

5) E. Aronson, T. D. Wilson, R. M. Akert: Sozialpsychologie. 4. Auflage. Pearson Studium, 2004, ISBN 3-8273-7084-1, S. 17.

6) Marc Schwietring: Flaschenpost in stürmischer See. An der Uni Hannover wurde kürzlich das Fach Sozialpsychologie abgewickelt. In: neues deutschland. 8./9. April 2017, S. 24.

7) E. Aronson, T. D. Wilson, R. M. Akert: Sozialpsychologie. 8. Auflage. Pearson Studium, 2014, ISBN 978-3-86894-217-0. Seite 9.

(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialpsychologie. Abgerufen am 02.11.2021)

Attributionsfehler

Attributionsfehler (auch Korrespondenzverzerrung, nach dem engl. correspondence bias) ist ein Begriff der Sozialpsychologie. Er bezeichnet die Neigung, den Einfluss dispositionaler Faktoren, wie Persönlichkeitseigenschaften, Einstellungen und Meinungen, auf das Verhalten anderer systematisch zu überschätzen und äußere Faktoren (situative Einflüsse) zu unterschätzen. Er ist so dominant, dass Lee Ross ihn 1977 sogar als „fundamentalen Attributionsfehler“ bezeichnete.[1] Bei der Ursachenzuschreibung korrespondiert das Verhalten mit einer vermuteten Eigenschaft des Akteurs. Die erste Attributionstheorie, die diese Urteilsheuristik beschreibt, stammt von Fritz Heider (1958).

Erklärt man sich das Verhalten eines Menschen damit, dass er Mitglied einer sozialen Gruppe ist, spricht man seit Pettigrew (1979) vom „ultimativen Attributionsfehler“.[2] Oft dient diese dispositionale Ursachenzuschreibung der Aufrechterhaltung von Vorurteilen („Er handelt so, weil er Ausländer ist“).


Untersuchungen


Jones & Harris (1967) führten mit US-amerikanischen Probanden folgendes Experiment durch: Die Versuchspersonen waren Zuhörer eines Redners, der eine Rede verlas, die sich entweder für oder gegen Fidel Castro aussprach. Man unterteilte die Zuschauer per Zufall in zwei Gruppen: Die einen erhielten nachher die Information, dass dem Redner die Rede unabhängig von seinen persönlichen Ansichten zugewiesen worden war. Die anderen wurden informiert, dass der Redner die Rede (pro/contra Castro) selbst gewählt hatte. Beide Gruppen wurden danach befragt, wie stark die Rede die Einstellung des Redners widerspiegelt. Jene, die glaubten, der Redner hätte den Text selbst gewählt, waren überwiegend der Ansicht, die Rede spiegele des Redners Meinung wider. Dies war jedoch auch, wenn auch etwas schwächer, in der anderen Gruppe der Fall. Obwohl die Versuchspersonen also wussten, dass die Rede zugeteilt worden war, attribuierten sie dennoch intern.

Ditto und Kollegen führten in den siebziger Jahren eine Untersuchung mit amerikanischen Männern durch. Die Versuchspersonen führten ein Gespräch mit einer Frau, die insgeheim eine Verbündete des Versuchsleiters war. Danach wurde ihnen erzählt, die Frau schreibe einen kurzen Bericht über den Eindruck, den die Versuchsperson auf sie gemacht hatte. Nachdem die Probanden diesen angeblichen Bericht lesen durften, sollten sie einschätzen, wie sympathisch sie der Frau waren. Vorher wurden sie per Zufall in zwei Gruppen aufgeteilt: Für die einen enthielt der Bericht nur negative, für die anderen nur positive Eindrücke.

Die Versuchsgruppe mit den negativen Berichten beachtete diese Kritik kaum, nachdem man ihnen offenbart hatte, dass die Frau eine Konfidentin war. Ihre Einschätzung, wie sympathisch die Frau sie fände, war nicht signifikant negativer als die einer Kontrollgruppe mit ausgewogenen Berichten. Sie attribuierten somit eher extern, also auf die Situation.

Jene Versuchspersonen, über die der Bericht nur positive Eindrücke enthielt, meinten jedoch trotz der Information, dass der Bericht manipuliert war, sie wären der Frau sehr sympathisch. Sie attribuierten demnach trotz der Information eher intern.

Diese Ergebnisse sind Belege für den fundamentalen Attributionsfehler und spiegeln gleichzeitig die selbstwertdienliche Verzerrung wider: Die Versuchspersonen attribuieren Misserfolg (negative Kritik) eher extern und Erfolg (positive Kritik) eher intern („da ich der Frau sympathisch bin“).

Ross und Kollegen führten 1977 eine Untersuchung in den USA durch, in denen eine Quizshow inszeniert wurde. Die Versuchspersonen wurden zufällig einer von drei Rollen zugewiesen: Quizmaster, befragter Kandidat oder Zuschauer. Der Quizmaster bekam dann die Aufgabe, sich Aufgaben, die seinen eigenen „Wissensreichtum möglichst umfassend zeigen“, auszudenken. Diese Fragen sollte er dann dem Kandidaten stellen. Nach dem Quiz sollten alle drei Beteiligten den Wissenreichtum von Quizmaster und Befragtem einschätzen. Alle drei waren darüber informiert, dass der Quizmaster sich die Aufgaben selbst hatte überlegen dürfen. Trotzdem schätzten sowohl Zuschauer als auch Kandidaten den Wissensschatz des Quizmasters gegenüber dem des Kandidaten höher ein, obwohl der Quizmaster natürlich eindeutig im Vorteil war und Fragen entsprechend erfinden durfte. Obwohl der Eindruck des größeren Wissens des Quizmasters also auf situative Einflüsse zurückzuführen ist, attribuierten die Versuchspersonen stärker intern und begingen damit den fundamentalen Attributionsfehler.


Ursachen


Aufmerksamkeit


Aufmerksamkeit ist eine beschränkte Ressource. Wenn wir die Ursache für das Verhalten eines Menschen ergründen wollen, richten wir die meiste Aufmerksamkeit auf diesen Menschen. Darum neigt man dazu, dispositionale, in der Person gelegene Ursachen zu überschätzen. Weiterhin sind die externen Ursachen zum Zeitpunkt des Verhaltens oft nicht mehr vorhanden oder nicht sichtbar, oder ihre Wirkung auf den Akteur ist schwer zu beurteilen.[3]


Perzeptuelle Salienz


Taylor und Fiske (1975) zeigten, dass saliente, also auffällige Objekte einen großen Einfluss darauf haben, welche Ursachenzuschreibungen wir vornehmen. Sie platzierten Beobachter so um zwei diskutierende Akteure, dass sie entweder nur dem einen, nur dem anderen oder beiden gleich gut ins Gesicht sehen konnten. Wer nur einen Akteur sehen konnte, beschrieb ihn anschließend als denjenigen, der die Gesprächsthemen bestimmt und die Diskussion dominiert habe.[4]


Zwei-Stufen-Prozess


Als Urteilsheuristik wird der Attributionsfehler schnell, unbewusst und automatisch begangen. Nur wer motiviert ist und freie Ressourcen (Zeit, Konzentration) hat, schaltet um auf bewusstes, kontrolliertes Denken und stellt die interne Attribution in Frage. Doch selbst dann unterliegen wir einer weiteren Urteilsverzerrung, nämlich der Ankerheuristik, die dazu führt, dass wir jetzt nicht objektiv urteilen, sondern lediglich die erste Fehleinschätzung etwas in Richtung externer Einflüsse verschieben – meist jedoch nicht weit genug.[5]


Kultureinfluss


Menschen in eher kollektivistischen Kulturen, wie sie im asiatischen Raum zu finden sind, machen den Attributionsfehler seltener, falls situative Faktoren klar erkennbar sind. Wenn Menschen aus kollektivistischen Kulturen keine situativen Informationen erhalten, neigen auch sie zu einer internen Attribution, also einer Korrespondenzverzerrung.[6][7]


Akteur-Beobachter-Unterschied


Während situative Faktoren für Beobachter oft nicht erkennbar sind, sind sie dem Akteur sehr wohl bekannt. Auch ist die Aufmerksamkeit für gewöhnlich nach außen, auf die Situation gerichtet. Daher wird der Attributionsfehler nur bei der Erklärung des Verhaltens anderer gemacht.[8]


Selbstwertdienliche Attributionen


Menschen sind stark motiviert, ihr Selbstwertgefühl gegen Bedrohungen zu verteidigen, daher neigen sie dazu, eigene Erfolge eher intern, Misserfolge eher extern zu attribuieren, insbesondere wenn keine Hoffnung auf Leistungsverbesserung besteht.[9] Diese Art Attributionsfehler wird auch selbstwertdienliche Verzerrung genannt. Menschen wollen auf andere Menschen einen guten Eindruck machen. Wenn sie nach den Ursachen für einen Erfolg oder Misserfolg gefragt werden, antworten sie wie bei selbstwertdienlichen Attributionen.[10][11]


Verschwörungstheorien


Nach dem amerikanischen Philosophen Steven Clarke ist der fundamentale Attributionsfehler die Ursache dafür, dass Anhänger von Verschwörungstheorien ihre Überzeugung, hinter einem bestimmten Ereignis stecke das böswillige, geheime Handeln einer Verschwörergruppe, auch dann nicht aufgeben, wenn sich diese These nur noch zu hohen sozialen oder intellektuellen Kosten aufrechterhalten lässt. Sie müssten dann zugeben, dass situative Faktoren wichtiger sind als dispositionale: Dass also zum Beispiel die Beharrlichkeit, mit der amerikanische Behörden sich weigern, den Absturz eines UFOs 1947 in Roswell, New Mexico zu diskutieren, nicht auf ihre Neigung zu verschwörerischem, paternalistischem Verhalten zurückzuführen ist, sondern auf den situativen Faktor, dass da gar kein UFO abgestürzt ist.[12]


Literatur


D. T. Gilbert, P. S. Malone (1995): The correspondence bias. Psychological Bulletin, 117, S. 21–38.

E. E. Jones, V. A. Harris, (1967): The attribution of attitudes. Journal of Experimental Social Psychology, 3, S. 1–24.

Lee Ross (1977): The intuitive psychologist and his shortcomings: Distortions in the attribution process. Advances in Experimental Social Psychology, L. Berkowitz (Hg.). Academic Press, New York.


Einzelnachweise


1) E. Aronson, T. D. Wilson, R. M. Akert: Sozialpsychologie. Pearson Studium. 6. Auflage 2008. ISBN 978-3-8273-7359-5, S. 108.

2) Thomas Pettigrew (1979): The ultimate attribution error: Extending Allport’s cognitive analysis of prejudice. Personality and Social Psychology Bulletin 5, S. 461–476.

3) E. Aronson, T. D. Wilson, R. M. Akert: Sozialpsychologie, S. 109.

4) S. E. Taylor, S. T. Fiske: Point of view and perceptions of causality. Journal of Personality and Social Psychology, 32, S. 439–445.

5) E. Aronson, T. D. Wilson, R. M. Akert: Sozialpsychologie, S. 111.

6) I. Choi, R. E. Nesbitt (1998): Situational salience and cultural differences in the correspondence bias and in the actor-observer bias. Personality and Social Psychology Bulletin, 24, S. 949–960.

7) D. S. Krull et al. (1999): The fundamental correspondence bias in individualist and collectivist cultures. Personality and Social Psychology Bulletin, 25, S. 1208–1219.

8) E. E. Jones, R. E. Nisbett (1972): The actor and the observer: Divergent perceptions of the causes of behavior. In: E. E. Jones et al. (Hg.): Attribution: Perceiving the causes of behavior. General Learning Press, Morristown, New Jersey.

9) C. S. Carver et al. (1980): Ego-defensive attribution among two categories of observers. Personality and Social Psychology Bulletin, 6, S. 4–50.

10) E. Goffman (1959): Presentation of self in everyday life. Anchor/Doubleday, Garden City, New Jersey.

11) J. Greenberg et al. (1982): The self-serving attributional bias: Beyond self-presentation. Journal of Experimental Social Psychology, 18, S. 56–67.

12) Steve Clarke: Conspiracy Theories and Conspiracy Theorizing. In: Philosophy of the Social Sciences 32/2 (2002), S. 144–147.

(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Attributionsfehler. Abgerufen am 02.11.2021)